Bergwetter

Beurteilung der Wetterprognose im Gebirge

Bergwetter

Das Wetter im Gebirge folgt seinen eigenen Gesetzen. Ob Thermik, Föhn und plötzliche Wetterumschwünge, jede Jahreszeit hat hier ihre ganz besondere Ausprägungen und auch Gefahren.

Das Wetter im Hochgebirge gilt bei den meisten Flachlandbewohnern als rau, oft auch als unfreundlich oder sehr gefährlich. Zahlreich sind die Meldungen über Bergsteiger, Touristen oder Skifahrer, die durch ungünstige Wetterbedingungen wie Kälte, Wind, Nebel oder durch Lawinen verunglückt sind. 

 

Tatsächlich bilden die Berge eine eigene Wetterwelt. Sie ragen in Atmosphärenschichten hinein, die sonst keine Bodenberührung haben. Der Motor des Wettergeschehens ist zwar die Sonne, dennoch wird die Atmosphäre hauptsächlich von unten und nicht von oben beeinflusst. Die Sonne wärmt die Erdoberfläche auf, die ihre Wärme dann an die darüber liegende Luft weitergibt. Diese aufsteigende Luftmassen sind die Ursache von Wolkenbildung und Niederschlägen. Anders als im Flachland werden im Gebirge Luftmassen, die normalerweise horizontal in Bewegung sind, von den Bergen nach oben abgelenkt. Dadurch steigt viel mehr Luft nach oben, als die Erwärmung allein bewirken würde. Folglich bilden sich auch mehr Wolken und es fallen langanhaltende Niederschläge. Zusätzlich können die Wetterfronten nicht wie im Flachland ungehindert durchziehen, sondern bleiben gewissermaßen an den Bergen hängen und es kann stundenlang ohne Unterlass regnen oder schneien. Während in den Tiefebenen an einigermaßen milden Wintertagen windiges und nasskaltes Schmuddelwetter mit Schneeregenschauer herrscht, schneit es in den Bergen daher oft anhaltend und es ist frostig.

Während fast alle Wolken durch Aufsteigen entstehen, haben die so genannten  hochnebelartigen Schichtwolken einen anderen Ursprung. Bei Nacht und im Winter kühlt sich über dem Erdboden die Luft ab. Bei ausreichender Feuchtigkeit kann es dann zur Kondensation, sprich Nebelbildung kommen. Die geringe winterliche Tageserwärmung reicht meist nur aus, um den unteren Teil der Nebelbänke aufzulösen. In der Höhe hält sich die von vielen Wintertagen im Flachland vertraute graue, strukturlose Wolkenschicht. Wie man sich leicht vorstellen kann, reicht diese Art Wolken bei weitem nicht so hoch wi die Quellwolken in aufsteigender Luft. Die Berggipfel ragen sehr häufig darüber hinaus, und damit bieten sie im Winter nicht nur mehr Schnee, sondern auch deutlich mehr Sonnenschein als das Flachland. 

Unangenehme Überraschungen hält beim Aufstieg in die Berge mitunter der Wind bereit. Selbst wenn es im Tal windstill oder nur schwach windig ist, künden manchmal Schneefahnen an den Gipfeln vom dort wehenden Sturm. Ein langgezogener Gebirgszug - wie etwa die Alpen - wirkt dabei wie ein länglich, unter der Wasseroberfläche liegende Schwelle in einem Flusslauf. Liegt das Hindernis parallel zur Strömung, macht es sich kaum bemerkbar. 

Erstreckt es sich jedoch quer, senkt sich die Wasseroberfläche dahinter trogförmig ab. In dieser Mulde dringt die Luft, obwohl sie viel leichter ist als das Wasser, unter das Niveau des Flusspegels vor. Der Wasserspiegel ist in der Senke auffallend glatt und der Fluss deutlich beschleunigt. Stromabwärts davon steigt die Wasseroberfläche in einer sich ständig brechenden, turbulenten Woge plötzlich wieder an.

Ganz ähnlich wirken sich die Alpen auf Luftströmungen aus. Auf nördliche oder südliche Luftströmungen wirkt der Gebirgszug als breites Hindernis. Der Wind nimmt nach der Überquerung des Alpenkamms rasant Fahrt auf und bekommt einen Drall nach unten. Die Luft erwärmt sich beim Fallen und erreicht rasch höhere Temperaturen als die zunächst noch im Tal liegende. Durch diese kräftige Bewegung strömt die leichte, warme Höhenluft nach unten verdrängt die schwere Kaltluft. Von einem Moment auf den anderen wird es lau wie in einer Sommernacht und der Wind heult: DER FÖHN IST DURCHGEBROCHEN!

Das föhnige Frühlingswetter mitten im Winter ist jedoch kaum von Dauer. Der Winter hat in den Bergen meist einen langen Atem. Weil der Schnee in den Hochlagen nicht wie im Tiefland zwischendurch abtaut, sammelt er sich und die schneereichste Zeit verschiebt sich in den Frühling. Versierte Wintersportler wissen dies und nutzen eher die Oster- als die Winterferien für ihren Skiurlaub.

Nur auf sonnenseitigen Steilhängen rutscht die weiße Pracht immer wieder ab und die steiler stehende Sonne schmilzt den Schnee schon ab Februar oder März an einigen Stellen schon vollständig weg. Der nunmehr freigelegte felsige Untergrund erwärmt sich und mit ihm die darüber liegende Luft. Sie steigt in die Höhe mit den bekannten Folgen: Es bilden sich Quellwolken. Damit verlieren die Berge im Frühling mehr mehr ihren Sonnen-Bonus gegenüber dem Flachland. Von den schmelzenden Schneefeldern steigt viel Feuchtigkeit in die Atmosphäre, die Wolken herrschen vor und es ist oft dunstig. In den Hochtälern verzögert sich das Ergrünen der Wiesen und Bäume zudem oft bis in den Frühsommer, so dass beispielsweise im Engadin der Mai als der unschönste Monat des Jahres gilt.

Wenn zu Sommerbeginn die meisten Schneeflächen verschwunden sind und die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, heizen sich die Gebirge und die darüber liegende Luft deutlich über die Temperatur der freien Atmosphäre in der gleichen Höhe auf. Die unter Segel- und Gleitschirmflieger als Thermik geschätze aufsteigende Luftbewegung kommt oft schon am Vormittag kräftig in Gang. Damit einher geht Quellwolkenbildung. Spätestens nachmittags haben sich aus den anfangs harmöos erscheinenden Wolken kilometerhohe, dunkle Türme entwickelt, Blitz, Donner und Platzregen lassen nicht lange auf sich warten. Sommerliche Bergwanderer lernen das Alpenwetter also häufig von seiner unbeständigen Seite kennen. Auch hier verschieben die Kenner unter den Alpinisten ihre Aktivitäten auf eine etwas spätere Jahreszeit.

 

Anfang September, manchmal sogar schon im August, wenn eigentlich die Hundstage im Kalender stehen, sorgt oft schon ein erster herbstlicher Kaltlufteinbruch bereits für Schneefall bis in die Talnähe. Dieser frühe Schnee taut jedoch in aller Regel binnen weniger Tage bis in die Gipfellagen wieder ganz ab. Die dafür verantwortlichen Hochdrucklagen im September und Oktober sind als Altweibersommer bekannt. Währen sich die Höhenlagen sich jedoch langsam abkühlen, steigen die Schatten der Berge mit den kürzer werdenden Tagen zusehends rascher in die Täler hinab.

Die Thermik und damit die Sicht und Sonne verdeckende Wolkenbildung über den Bergen kommt fast gänzlich zum Erliegen. Stattdessen fließt nachts vermehrt Kaltluft hangabwärts und in den Tälern bilden sich erste Nebelfelder. Die Höhenluft durchmischt sich nicht mehr mit den darunter liegenden Schichten. Staub und Abgas, Wasserdampf und kühle Luft bleiben weitgehend in der Tiefe. Entsprechend mild, trocken und klar ist es in den Höhenlagen. Die Farbenpracht der Laub- und Lärchenwälder macht die Idylle perfekt.

In manchen Jahren hält sich dieses traumhafte BErgwetter bis in den Spätherbst oder sogar bis in die Adventszeit, wenn die Skiliftbetreiber schon ungeduldig auf den ersten Schnee warten. Meistens beenden aber spätestens im November Sturmtiefs vom Atlantik und vom Nordmeer her kommend die Zeit der Hochdrucklagen. Im Tiefland fällt der Übergang vom neblig-ruhigen zum windig-regnerischen, auf jeden Fall nasskalten und trüben Wetter gar nicht einmal jedem auf. Im Gebirge geht die Wander- und Gleitschirmsaison dagen fast nahtlos wieder in die Wintersaison über.

Sicher sein vor Überraschungen:

 

- Bergwetter ist immer unsicher! Auch bei hochsommerlichen Temperaturen immer Regenschutz und           warme Kleidung mitnehmen.

- So kurz wie möglich vor der Tour nach dem aktuellen Wetter auf den Gipfeln erkundigen

   und Wetterberichte einholen. Internet, Videotext, Telefon, Radio oder beim Hüttenwirt.

- Bei unsicherem Wetter die Route so wählen, dass man stets rasch und gefahrlos ins Tal absteigen         kann. Also nur kleinere Touren.

- Im Sommer: Früh aufbrechen, so dass man den Aufstieg vor der Quellwolkenbildung schafft.

- Im Winter: Lawinenlagebericht einholen, bei Schnee Grate und windabgewandte Steilhänge meiden.

- Bei aufkommendem Wind und Gewitter Grate meiden.

- Bei Föhnlagen in den Nordalpen nach Möglichkeit den Nordwesthorizont beobachten.

- Gute Wanderkarten mitzunehmen und die aktuelle Position darauf zu verfolgen, hilft bei                                 aufkommendem Nebel.


Damit sollten Sie rechnen:

 

Temperatur: Im Extremfall kann die Temperatur alle 100 Höhenmeter um ein Grad absinken. Selbst wenn bei Föhnlagen im Tal T-Shirt-taugliches Wetter herrscht, kann es in den Hochlagen eisig kalt sein.

 

Wind: Mit der Höhe nimmt auch meistens die Windstärke deutlich zu. Bei Windstille im Tal kann auf den Gipfeln Orkan wehen. Dadurch wird es empfindlich kalt. An exponierten Stellen kann der Wind auch zur Absturzgefahr führen.

 

Nebel: Besonders im Sommer bilden sich schon ab dem Vormittag häufig Quellwolken.

 

Wettersturz: Kaltfronten aus Richtung Nordwesten sind in den Nordalpen immer gefährlich. Bis einige Stunden zuvor herrscht oft noch föhniges Schönwetter. Mit der Front gehen Gewitter und ein Temperatursturz einher. Schneefall ist im Sommer dann bis hinab auf 1200 Meter, im Früh- und Spätsommer auch bis in die Täler möglich. Wegen anhaltender Hebung der Luftmassen kaum Hoffnung auf rasche Wetterbesserung.

 

Schnee- und Firnfelder: An Schattenseitigen Hängen herrscht oft noch im Sommer Rutschgefahr.

 

Lawinen: Besonders bei und nach Neuschnee, bei Sturm und Schneelage oder bei plötzlichem Tauwetter steigt die Lawinengefahr.


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