Kletterkurs im Donautal mit dem DAV-Pfullendorf

Am 05.05.2012, pünktlich um 08:00 Uhr, trafen sich die Kursteilnehmer, sieben an der Zahl, am Kletterturm zu Pfullendorf ein. Wenn es auch am Vortag noch sommerliche Temperaturen um die 27°C hatte, so konnte sich jeder glücklich schätzen, der im Besitz einer sehr guten Regenbekleidung war. Doch unser immer sehr gut gelaunter Kursleiter Martin, begeisterte uns alle so sehr, dass uns das schlechte Wetter den Spaß am Klettern nicht verderben konnte.

Um nicht von Anfang an bis auf die Knochen nass zu werden, machten wir die ersten Höhenmeter im Innern des Kletterturms.

Hier wurden uns die "Basics" des Felskletterns, wie "Mastwurf", "Halbmastwurf", Sicherung der vorsteigenden Person, das Abseilen mit "Abseilachter", und noch vieles mehr bis ins Detail erklärt.

 

Nachdem wir dann alle die Grundkenntnisse drin hatten und das Wetter sich etwas besserte, konnten wir dann auch noch unter freiem Himmel den "Vorstieg" am Kletterturm trainieren.

 

Nun konnte uns aber nichts mehr halten, um die erworbenen Kenntnisse direkt am Fels in die Praxis umzusetzen. Zuvor erwärmten wir uns aber alle noch in Egon's Küche, bei gutem Kaffee und Tee.

Nachdem die Körpertemperatur wieder dem menschlichen entsprach, zogen wir los nach Hausen im Donautal. Vom Parkplatz aus ging es vorbei am Ebinger Haus, direkt zum Einstieg am Stuhlfels.

Über den Normalweg kletterte ich, zusammen mit der sehr sympathischen Regina ("Regi") im Vorstieg, hinauf zum Gipfelkreuz.

 

Jeppeeeee, die erste Route direkt am Fels war geschafft. Ein herrliches Gefühl

 

Überhäuft von Glücksgefühlen, erholte ich mich zusammen mit meiner Seilpartnerin Regina noch ein paar Minuten am Gipfelkreuz.

Wenn Ihr nun denkt, das Abenteuer endet hier, dann habt Ihr Euch aber gewaltig getäuscht. Denn es stand ja noch das Abseilen über die "Ostkante" an.

Nachdem Andrea mit einem doch etwas sehr erhöhtem Puls unten ankam, war dann auch ich gleich an der Reihe. Nach fachkundiger Einweisung am Kletterturm zu Pfullendorf fädelte ich das Seil in den Abseilachter, montierte auch fachmännisch die "Hintersicherung mit Prusikschlinge" und wuchtete mich nach dem "Entsichern am Standplatz" über den Grat hinüber. Als das dann aber geschafft war, war der Rest ein Kinderspiel und ich genoss die Talfahrt hinab am Doppelseil.

 

Was für ein tolles Erlebnis. Da will man doch gleich mehr ...

 

Und so nutzten wir diesen herrlichen Nachmittag aus und machten uns fertig für eine weitere Tour. Dieses Mal entschieden wir uns für den Irisweg. Diese Route, so vernahm ich Reginas Worte, sei nur an einer Stelle einen kleinen Tick schwieriger, als die vom Normalweg. Nun ja, das wird doch wohl zu packen sein, flüsterte das kleine Männchen auf meiner Schulter mir ins linke Ohr. Nun dann, auf zum Irisweg, hallte es spontan aus meinem Munde.

Bis zum ersten Standplatz war es auch für mich "Greenhorn" gut machbar, obwohl mich doch so langsam die geballte Kraft in meinen Oberarmen verließ. (Nun ja, so ein "Banker" stemmt ja auch täglich tonnenschwere Geldbeträge hin und her)

 Da es aber nur noch eine Seillänge bis zum Gipfelkreuz war, kann mich hier bestimmt nichts mehr abhalten, um dieses ein zweites Mal an diesem Tag zu erreichen.

Meine Adleraugen verfolgten jeden Schritt und Tritt, den Regina im Vorstieg machte, um diese Route in gleich geschmeidiger Form und Eleganz zu bewältigen, wie sie es mir vor machte. Es dauerte nich lange, bis mir Regina zuruft "Marcus, nachkommen".

Dieses tat ich dann auch ganz ruhig und gelassen, bis ich an die besagte "Schlüsselstelle" dieser Route kam. Um weiter zu kommen, suchte ich verzweifelt nach einem Tritt für meinen rechten Fuß und einen Halt für meine rechte Hand. An dem kleinen vorstehenden Standplatz rettete mich nur die gespeicherte Kraft im linken Zehennagel und drei Finger im Spalt des vorstehenden Grates vor einem Absturz. Wenn ich nicht noch Regina zurufen hätte müssen, dass ich nicht weiter komme, hätte ich meine "Gebissleisten" noch eingesetzt, um einen weiteren Halt zu finden. Doch ich muss hier hoch, flüsterte das kleine Männchen auf meiner Schulter mir immer und immer wieder zu. Es gibt kein Weg zurück. Beim Gleitschirmfliegen hoffe ich in solchen Situationen auf thermische Aufwinde (unter Piloten werden diese auch als "Bärte" bezeichnet) die mich vor dem Absaufen retten. Doch auf einen solchen "Hammerbart", der mich an dieser Stelle nur ca. 50cm höher trägt, war heute beim besten Willen nicht zu rechnen. So versuchte ich mit letzter Kraft diesen 50cm höher gelegenen Standplatz mit dem rechten Fuß zu erreichen. Doch es kam wie es kommen musste. Die Kräfte verließen mich, die rechte Hand verfehlte den sicheren Halt, ich rutschte ab, und fand mich daher pendelnd im Seil einen Meter weiter unten.

 

In dieser hängenden Position sammelte ich meine Kräfte, suchte neue Griffe und Tritte, und war dann nach ca. zwei Minuten bereit für den Endspurt.

Beim zweiten Anlauf hatte ich das Gefühl, als hätte mich eine Geisterhand nach oben zum Gipfelkreuz geführt. Hinterher war mir dann auch klar, wessen "Geisterhand" mir so hilfreich zur Seite stand.

Es war die von meiner Seilpartnerin Regina.

 

Vielen Dank, Regina.

 

Auch bei unserem Kursleiter Martin und seinen Helfern möchten wir uns hiermit nochmals recht herzlich für diesen sehr schönen Tag bedanken.

 

Wir haben bei diesem Kletterkurs sehr viel gelernt und hoffen, Euch bald mal wieder zu sehen.

 

Viele Grüße

Marcus und Andrea