Wintertour zur Hermann-von-Barth Hütte (2139 m)

Hermann-v.-Barth Hütte
Hermann-v.-Barth Hütte
Schwierigkeit: mittel
Strecke:  
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1100 m
Dauer (Auf- und Abstieg) Winter: ca. 8 h
Niedrigster Punkt: 1039 m NN
   
Höchster Punkt: 2139 m NN

 

Aufgrund der noch mangelnden Schneeverhältnisse Mitte Dezember 2013, suchte ich mir eine Tour mit Übernachtungsmöglichkeit in einem Winterraum. Mit Hilfe von Google Earth fand ich die Hermann-von-Barth Hütte, mit wundervoller Lage 1.100 Meter über Elbigenalp - im Lechtal.

 

1100 Höhenmeter waren zu überwinden. Die Wetterfrösche meldeten eine kleinere Störung, die aber keinen Schnee im Gepäck haben soll und über die Nacht ostwärts abzieht.

Es kam aber völlig anders:
 
Samstag 14.12.2013
 

Im Lechtal angekommen, sah man dass die Südhänge alle schneefrei waren. Also ließ ich meine Schneeschuhe im Auto um weiteres Gewicht zu sparen. Mit Gaskocher, Schlafsack, Kleidung, Nahrung und weiterem Gedöns, kam ich doch auf ein Gesamtgewicht von 16 kg. Eigentlich machbar, sofern man nicht durch tiefen Schnee stampfen muss.

Auf ca. 1.550 Meter Höhe musste ich durch eine Ostrinne, in der so viel Schnee lag, dass ich immer wieder eingesunken bin und mich wieder selber ausgraben musste. Für 100 Höhenmeter habe ich über eine Stunde benötigt. Zwischen 1.700 und 1.800 Höhenmeter kam ich ganz gut voran.

Um 14:30 Uhr befand ich mich auf ca. 1.850 Höhenmeter. Da hat es dann angefangen zu schneien und der Nebel sank immer tiefer. Aber nicht nur der Nebel, sondern auch ich versank immer mehr im Schnee. Um 15:30 Uhr war ich dann auf 2.000 Höhenmeter angekommen. Die Sicht durch
den Nebel und den Schneefall war schon sehr beschränkt. Die Orientierung war fast nicht mehr möglich. GPS hatte ich auch nicht dabei.

An dieser Stelle befasste ich mich mit dem Gedanken, die Nacht im Freien verbringen zu müssen. So stieg ich ein paar Meter ab und sah auf einem Felsen die Markierung in roter Schrift:
"Nur noch 10 Minuten". Wenn es nur noch 10 Minuten sind, dann müsste ich es doch auch in einer halben Stunde schaffen. Um mit leichterem Gepäck die restlichen paar Höhenmeter zu bewältigen, deponierte ich meinen Gleitschirm und meine Steigeisen an diesem Felsen. Mit der Hoffnung, diesen am nächsten Tag wieder zu finden. Doch das Wichtigste war jetzt mal, die Hütte zu finden. Mit leichtem Gepäck benötigte ich aber für die angegebenen 10 Minuten
(im Sommer ohne weiteres machbar) sage und schreibe weitere 45 Minuten. Während die Dämmerung bereits schon hereinzog, schleppte ich mich völlig erschöpft und ausgepowert den letzten Anstieg zur Hermann-von Barth Hütte hoch und erreichte diese um ca. 16:25 Uhr.

Vor dem Winterraum musste ich mich zuerst einmal auf der Bank im Freien erholen. Dabei schoss mir das Erlebte, aufgrund der Erschöpfung, mehrmals durch den Kopf (auf gut Deutsch: ich musste kotzen - sorry für den Ausdruck, aber es war so). Danach fühlte ich mich aber schon wieder besser, so dass ich mir in der Hütte gleich einen Tee zubereiten konnte. Dieser wärmte mich innerlich, gab mir Kraft, um dann auch gleich Holz  zu hacken. Während das Feuer den Ofen erhitzte, legte ich mich für eine Stunde in den warmen kuscheligen Schlafsack und gab meinem Körper die nun so erholsame Ruhe.


Um 19:30 Uhr hatte ich wieder Appetit und verschlang meine zubereiteten Spaghetti Bolognese - mhhhh lecker.

 

Bis um 22:00 Uhr schaute ich stündlich vor die Hütte, um die Wetterlage zu checken. Es schneite unaufhörlich. Da dachte ich mir, da wird der Abstieg auch ein Abenteuer.
Aber erst bin ich mal in Sicherheit und verbringe eine behutsame Nacht in meinem warmen Daunenschlafsack.

Sonntag 15.12.2013

Wie gut ich doch in dieser Nacht geschlafen habe. Um 06:30 Uhr, noch etwas Schlaf in den Augen, wagte ich mich vor die Hüttentür.
Zuerst kam mir eine beißende Kälte entgegen, so dass ich die Tür gleich wieder zu machte. Eingepackt mit Daunen und Merinowolle war es dann vor der Tür wesentlich angenehmer. Diese Schritte, zu diese Uhrzeit, haben sich aber gelohnt. Was für eine morgendliche Stimmung. Auf Bildern kann man diese Schönheit der Natur nicht wiedergeben. Dennoch schoss ich ein paar Bilder, um diesen Moment für die Ewigkeit festzuhalten.

Diese Augenblicke der Genugtuung, der Zufriedenheit, in absoluter Ausgesetztheit in Mitten der Natur, weit weg vom hektischen Treiben in den Städten, machen für mich das Leben so lebenswert.

 

Während ich meinen Kaffee in der Hütte schlürfte, wurde mir bewusst, dass es ein zu großer Aufwand wäre, meinen in der Wildnis deponierten Gleitschirm zur Hütte zu holen, die Startbahn zu walzen, um evtl. doch von hier oben mit sehr leichtem Rückenwind zu starten. Somit war ich gezwungen, mit schwerem Gepäck den Abstieg ins Tal in Angriff zu nehmen
(sofern ich den Gleitschirm wieder finden sollte).

Nach einem ausgiebigen Frühstück verließ ich die Hütte um 09:00 Uhr besenrein.

Suchend nach meinem Gleitschirm stampfte ich 30 Minuten durch den Schnee, bis ich diesen völlig eingeschneit wieder in meinen Besitz nehmen konnte.

Auch wenn die Schneelöcher mich beim Abstieg öfters verschlingen wollten, schaffte ich es immer wieder, mich von diesen zu befreien.

Glücklich, wenn auch nicht fliegend, stand ich dann um 12:15 Uhr vor meinem zugeschneiten Auto.

Fazit:

Im Nachhinein war es eine sehr erlebnisreiche und abenteuerliche Tour, die doch etwas von mir abverlangt hatte. Sicherlich werde ich wieder mal eine solche Wintertour machen, dann aber ohne Gleitschirm. Mit leichtem Gepäck und Schneeschuhen sicherlich genau so schön :-))

Panoramabilder