Gletschertour vom Gepatschhaus zur Weißseespitze

Seilschaft zur Weißseespitze
Seilschaft zur Weißseespitze
Schwierigkeit: schwer
Strecke gesamt: 22 km
Aufstieg: 1613 m
Abstieg: 1613 m
Dauer (Auf- und Abstieg): mind. 11 h
Niedrigster Punkt: 1889 m NN
   
Höchster Punkt: 3518 m NN

 


 

Tourenverlauf über den Gepatschferner zur Rauhekopfhütte und weiter zur Weißseespitze

 

Bei unserer sechstägigen Ausbildung in Fels und Eis, im wunderschönen Kaunertal, stand auch die Tour zur Weißseespitze im Programm. Nach bester Vorbereitung im Kartenlesen, gab uns unser "Drill-Sergeant" "Erwin" (Bergführer) die Aufgabe, in einer Teamarbeit die Tour zur Weißseespitze selbstständig zu planen. Gestärkt durch das hervorragende Hüttenessen am Abend, stand unsere zehnstündige Bergtour zur Weißseespitze fest. Damit wir dann auch am nächsten Morgen um 06:00 Uhr gut ausgeruht am Frühstückstisch sitzen können, krochen wir an diesem Abend recht früh in unseren Schlafsack.

 

Am Mittwoch den 15.08.2012 begann unsere Mammuttour genau um 06:40 Uhr.  

Vom Gepatschhaus aus ging es zuerst noch etwas verschlafen, aber dafür mit sehr schwerem Gepäck, über den Moränenweg zum Gletschereinstieg. Diesen erreichten wir in 1,5 Stunden. Nachdem wir alle unseren Hüftgurt und das noch andere notwendige "Gedöns" an uns befestigt, die Steigeisen endlich an unseren "Tretern" hatten und angeseilt waren, drückte "Erwin" unser Bergführer, schon wieder mächtig auf's Gas. Nun ja, wir hatten uns ja auch sehr viel vorgenommen, wenn man den Gipfel der Weißseespitze erreichen und Abends das leckere Hüttenessen nicht verpassen möchte.

Dennoch wählten wir eine angepasste Schrittlänge, in der uns die wunderbare Morgenstimmung auf dem Gletscher verzauberte. Alle Sinne geschärft, mussten wir auf der Hut sein, um nicht von einer der immer wieder sich weit öffnenden Gletscherspalten gefressen zu werden. Auch wenn uns "Erwin" einen Tag zuvor sehr ausführlich lehrte, wie man mit einer "Seilrolle", einem "Express-Flaschenzug" und einem "Schweizer-Flaschenzug" Personen aus einer Gletscherspalte retten kann, so wäre ich nicht sehr erfreut gewesen, wenn ich an diesem Tag jemanden aus der Spalte hätte bergen müssen.

 

Nach knapp einer Stunde auf dem Gletscher querten wir mit Ehrfurcht den über uns tronenden Gletscherbruch. Wenn auch Ingo hier bereits einen seiner sieben Tode starb, so mussten wir noch den Aufstieg zur Rauhekopfhütte suchen. Zuerst über Blockgestein steigend, fanden wir dann den sich steil empor schlängelnden Pfad zur Rauhekopfhütte. Seit dem Start am Gepatschhaus sind bis hier her erst einmal drei Stunden vergangen. Während sich andere auf der wunderschön gelegenen Hütte einquartierten, blieben uns nur 15 Minuten für ein Glas Holunder-Schorle. Es blieb gerade noch Zeit uns im Gästebuch einzutragen, als dann unser Commander "Erwin" wieder ins Horn zum Angriff auf den Gipfel blies.

 

Auf gut markiertem Weg ging es ca. 20 Minuten in südwestlicher Richtung leicht bergauf bis zum Gepatschferner. Hier gab es dann schon eine genaue Zeitvorgabe für den Reifenwechsel. Wenn wir am Anfang noch 20 Minuten benötigten, so schafften wir es nun schon in einer Spitzenzeit von fünf Minuten.

Anfangs liefen wir noch auf griffigem, harten und blankem Eis, doch bald wurde es im oberen Teil flacher und somit immer sumpfiger. Nicht umsonst bekam diese flache Gletscherwanne den Namen "Im Sumpf".

Als wir uns der 3000er Marke näherten, gab Ingo sein inzwischen drittes von insgesamt sieben Leben her. Nicht nur dass sich seine offene Blase am Fersen immer weiter in seinen Fuß bohrte, so machte ihm nun auch die Höhe immer mehr zu schaffen. Angetrieben vom "Leitwolf" und meinen motivierenden Worten, zogen wir unseren lieb gewonnen Flachlandtiroler, wie die Sherpas am Everest, durch die "Todeszone" hindurch, bis hinauf zum Gipfel der Weißseespitze.

 

Genau um 14:00 Uhr, nach einem sechsstündigen Fußmarsch, erreichten wir zwar erschöpft, aber immer noch mit genügender Reserve für den Abstieg, unser Ziel.

Nach kurzer Pause am Gipfelkreuz stiegen wir im Eiltempo ab zur Rauhekopfhütte, ließen uns hier die Lungenflügel etwas durchlüften, bevor es dann die restlichen Höhenmeter bis zum  Gepatschhaus mit ebenso flotter Geschwindigkeit hinunter ging. Genau um 18:00 Uhr wurden wir mit Beifall am Gepatschhaus empfangen.

 

Da sich in dieser Woche noch weitere Bergschulen auf der Hütte befanden und diese von unserer Mammuttour erfuhren, wurden vor unserem Eintreffen schon Wetten abgeschlossen, dass wir es nicht vor 21:00 Uhr zurück schaffen würden. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass die Bewunderung mit unserer doch sehr frühen Ankunft sehr groß war.

 

Eine erlebnisreiche Tour, mit einem hervorragendem Bergführer (Erwin) und einer grandiosen Seilschaft (Julia, Andrea, Ingo/Klaus, Marcus/Paul), die uns noch sehr sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Nächstes Jahr (2013) müssen wir unbedingt wieder eine Tour zusammen unternehmen.

 

Viele Grüße

Marcus und Andrea

 

Bei dieser Tour spätestens um 06:00 Uhr vom Gepatschhaus aus starten. Selbst dann sollten die Pausen knapp gehalten werden, um das Gepatschhaus am Abend wieder frühzeitig zu erreichen.

 

 

Es wird eine komplette Gletscherausrüstung benötigt



Weißseespitze auf einer größeren Karte anzeigen

 

Bilder von der Gletschertour zur Weißseespitze